Drama um Paris: Drei Hersteller arbeiten an CDG

Die Entwicklung einer hochwertigen Flughafenszenerie für eines der gängigen Flugsimulationsprogramme ist stets ein komplexes Unterfangen. Das gilt im Besonderen für Mega-Airports wie etwa Paris-Charles de Gaulle (CDG/LFPG). Wie von Flightnews24 im Vorjahr unter „Konkurrenz um Paris: Zwei Add-ons für CDG“ berichtet, zeichnete sich ab, dass mit Aerosoft und Pilot Experience Sim (PESIM) gleich zwei Entwicklerstudios an einer detaillierten Umsetzung des französischen Großflughafens arbeiten. Was als regulärer Wettbewerb begann, hat durch jüngste Stellungnahmen der beteiligten Unternehmen und dem Eintritt eines weiteren Mitbewerbers eine neue Dynamik erhalten.

Aerosoft setzt auf Transparenz und Hilfe aus der Community

Einen Einblick in die Schwierigkeiten eines solchen Projekts gab Aerosoft auf seinem Discord im Rahmen der aktuellen Roadmap im Dezember. Das Unternehmen räumte offen ein, dass man mit dem aktuellen Fortschritt nicht vollständig zufrieden sei, was primär auf den erschwerten Zugang zu detaillierten Vor-Ort-Informationen zurückzuführen sei. Während die technische Entwicklung zwar voranschreite, fehlten dem Team (noch) spezifische Kontakte zum Flughafenbetreiber oder zu Mitarbeitern mit Zugangsberechtigungen, um die gewünschte Detailtiefe zu erreichen.

Dritter Mitbewerber…

Kurz nach dem Jahreswechsel trat mit Azrsim ein weiterer Akteur auf den Plan, der seine eigene Version von LFPG für den Microsoft Flight Simulator 2024 und für den X-Plane 12 noch für heuer ankündigte. Diese zusätzliche Konkurrenz führte offenbar zu einer deutlichen Reaktion des französischen Studios PESIM, das in einer Pressemitteilung seinen Unmut über die späten Ankündigungen der Mitbewerber äußerte. PESIM betont dabei eine moralische Priorität, da das Studio das Projekt bereits zu einem Zeitpunkt offiziell gemacht habe, als andere Teams das Risiko einer solch komplexen Umsetzung noch gescheut hätten.

Die Bedeutung des lokalen Exklusivzugangs

Im Zentrum der Argumentation von PESIM steht der sogenannte Exklusivzugang, den das Team aufgrund seines Standorts in Frankreich für sich beansprucht. Zitat:

Im Gegensatz zu anderen Teams sind wir Franzosen, lokal ansässig, und das ändert alles…

Die Erwähnung von über 250 Gigabyte an gesammeltem Referenzmaterial, darunter 120 GB 4K-Videos, soll dies unterstreichen. Dazu mehr als fünf Stunden vollständig kommentierter Führungen, die alle Bereiche des Flughafens abdecken, einschließlich solcher, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich seien oder in der traditionellen Dokumentation fehlten. Die Einbindung von aktivem Flughafenpersonal wie Fluglotsen, Piloten und Bodenmitarbeitern erlaube zudem eine funktionale Genauigkeit, die weit über die rein visuelle Gestaltung hinausgehe. So könnten betriebliche Abläufe, die korrekte Beschilderung der Rollwege und die spezifische Lichtführung bei Nacht exakter rekonstruiert werden, als es durch reine Fernrecherche möglich wäre, wird von PESIM argumentiert. Ob und inwiefern all diese Aspekte in die Umsetzung entsprechend eingeflossen sind, wird man sehen, wenn die Szenerie veröffentlicht ist.

LFPG-PES-03 Drama um Paris: Drei Hersteller arbeiten  an CDG

Chancen und Risiken für Nutzer

Für die Endnutzer ergibt sich daraus jedenfalls eine zwiespältige Lage. Zwar kann der verschärfte Wettbewerb den Qualitätsanspruch erhöhen, gleichzeitig wächst jedoch das wirtschaftliche Risiko für die beteiligten Entwickler. Verteilen sich die Verkäufe auf mehrere konkurrierende Add-ons, besteht die Gefahr, dass sich der immense Entwicklungsaufwand für einzelne Anbieter nicht rechnet. In der Konsequenz könnten langfristige Pflege, Fehlerkorrekturen oder Anpassungen vernachlässigt oder ganz eingestellt werden, ist die Befürchtung.

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