Xbox Chef durch KI-Managerin ersetzt: Aus für MSFS 2024?
Ein Kommentar von Manfred Hafner.
Jede Menge Unruhe ausgelöst hat der Abgang von Phil Spencer als Chef der Xbox und der Xbox Game Studios, der Spielesoftware-Sparte von Microsoft also, in der auch der MSFS 2020 und 2024 erschienen sind. Nach 13 Jahren an der Spitze wurde er durch die KI Managerin Asha Sharma ersetzt. Um zu verstehen, warum das für die weitere Zukunft des Microsoft Flight Simulators 2024 nicht ganz unerheblich sein könnte, muss man sich eines klarmachen: Phil Spencer war mit der Grund, warum der MSFS überhaupt existiert. Und ohne die Xbox und deren Gaming-Sparte hätte es nie einen MSFS 2020 bzw. 2024 – weder für PC noch für Konsolen – gegeben!
Ein Fürsprecher ist weg
Nach dem Desaster von 2009, als Microsoft das legendäre Aces Studio schloss und den FSX zwischenzeitlich ins Jenseits beförderte, war es Spencer, der Jahre später Jörg Neumann zum Chef des neuen Microsoft Flight Simulators machte und dessen Team das Budget und das Vertrauen für die Wiederbelebung schenkte. Jörg hatte die Idee für den MSFS, Phil ermöglichte die Umsetzung.
Phil war gewissermaßen der Schutzpatron, der gemeinsam mit Jörg das kreative Risiko gegen die kühle Logik der Buchhalter verteidigte. Mit seinem Abgang hat der MSFS 2024 wohl einen seiner mächtigsten Fürsprecher in der Teppichetage verloren. Die neue Chefin, Asha Sharma, ist eine Expertin für KI und Monetarisierung. Während Spencer „Gaming atmete“, atmet Sharma „Datenströme“. Für einen Simulator, der von Leidenschaft und dem engen Austausch mit einer nischigen Community lebt, könnte das ein bedrohlicher Kurswechsel sein.
Xbox-Mitbegründer Seamus Blackley findet in einem Interview mit Gamesbeat dafür drastische Worte: Er befürchtet, Sharma solle die Xbox- und Gaming-Sparte „sanft in die Nacht begleiten“ – als eine Art Palliativärztin, während Microsoft sich voll und ganz auf KI konzentriert.
Satya Nadella (Anm. oberster Boss von Microsoft) hat unglaublich viele Wetten abgeschlossen und unglaublich viel Geld und Glaubwürdigkeit in das Transformationsmodell der KI-Zukunft investiert. Die Xbox wird, wie viele andere Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft der KI gehören, eingestellt. Das wird zwar nicht so gesagt, aber genau das passiert gerade.
so Blackley. Der MSFS 2024 könnte damit als „lebende As-it-is-Leiche“ enden – ein Produkt, das zwar noch lange weiterexistiert, aber nicht mehr mit der Liebe und Energie weiterentwickelt wird, die wir seit dem 2020 etwa mit regelmäßigen Sim-, World- und City-Updates etc. gewohnt waren.
Die unheimliche Funkstille: Wo sind Jörg, Sebastian und Martial?
Dass wir seit Oktober des Vorjahres (wie berichtet) kaum ein Lebenszeichen von Jörg Neumann (Microsoft), Sebastian Wloch und Martial Bossard (Asobo) gehört haben, erscheint jetzt in einem völlig neuen Licht. In Zeiten eines solchen Führungswechsels werden oft „Maulkorberlasse“ verhängt bzw. die Führungsebene darunter hält bewusst den „Ball flach“. Wenn die Konzernmutter sich neu sortiert, wird die Kommunikation nach außen eingefroren.
Die Gefahr, dass Microsoft plötzlich den Stecker zieht, dürfte gering sein. Nicht jedoch die Sorge, dass das Budget für den langfristigen Support des MSFS 2024 und die ambitionierten Pläne unter dem neuen KI-Diktat radikal zusammengestrichen werden oder bereits wurden. Denn: Wenn die „Palliative Care“ (wie Seamus Blackley es nennt) beginnt, kann es natürlich auch keine Developer-Livestreams mehr geben, in denen große Pläne für die nächsten Monate präsentiert und Fragen der Community über Verbesserungen und Weiterentwicklung beantwortet werden. Zumal man selber nicht weiß, wohin die Reise geht. Ich hoffe, dass sich meine Befürchtungen in Rauch auflösen und wir uns demnächst über gute Nachrichten freuen dürfen…
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