Tief und schnell mit dem „Klappdrachen“: Tornado für MSFS

Wenn es um die Simulation komplexer Flugzeuge geht, spielt die praktische Erfahrung bei der Einordnung eine entscheidende Rolle. Rainer Pecksen, der Verfasser der folgenden Rezension blickt auf eine insgesamt 18-jährige Dienstzeit als Ingenieur und technischer Offizier der Luftwaffe zurück, in der er den Betrieb des Panavia Tornado unmittelbar mitverantwortete. Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Autor für das FS MAGAZIN bewertet er, wie das Add-on von IndiaFoxtEcho den Jet für den Microsoft Flight Simulator 2020 und 2024 technisch und atmosphärisch umsetzt. Der Tornado ist als zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug für den extremen Tiefflug konzipiert und verfügt als technisches Hauptmerkmal über Schwenkflügel zur Anpassung an verschiedene Geschwindigkeitsbereiche.

FS-REV-Pecksen Tief und schnell mit dem „Klappdrachen“: Tornado für MSFS

Der Tornado wurde von der Panavia Aircraft GmbH, einen Konsortium aus BAE Systems, Messerschmidt-Bölkow-Blohm und Aeritalia ab der Mitte der 1960er Jahre gemeinsam von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt und gebaut. Der Erstflug erfolgt Mitte 1974, die Indienststellung bei den Luftwaffen von Deutschland, Großbritannien, Italien und Saudi-Arabien ab 1980. Von 1979 bis 1998 wurden insgesamt 992 Flugzeuge in den Varianten Jagdbomber, zur elektronischen Kampfführung sowie als Abfangjäger gebaut.

Als eines von nur wenigen militärischen Flugzeugen wurde der Tornado mit Schwenkflügeln (Spitzname „Klappdrachen“) ausgestattet. Im Langsamflug werden sie zur Erhöhung des Auftriebs nach vorne geschwenkt. Im schnellen Flug werden sie ein- respektive angeklappt. Andere Beispiele für diese Flügeltechnik sind die Grumman F-14 „Tomcat“, die General Dynamics F-111 „Ardvark“, die Suchoi Su-24 und die Tupolev Tu-160.

Der zu testende Tornado ist ein Jagdbomber, also eher ein „Lastesel“ und kein superagiles Jagdflugzeug. Ausgelegt wurde er für den schnellen Tiefflug in sehr niedrigen Höhen unterhalb der Radarerfassung. Dafür gaben ihm die Entwickler ein Terrain Following-System (TF) mit, das einen automatischen Geländefolgeflug bis hinunter auf 200 Fuß (ft) ermöglicht, und das auch in bergigen Regionen und ohne Bodensicht. Ein gut gemachtes Tornado-Modell müsste also im Simulator jede Menge Spaß machen, oder? Schauen wir mal…

Informationen über den realen Tornado gibt es reichlich im Internet, unter anderem hier:

Simulation

IFE-Logo_gelbschwarz Tief und schnell mit dem „Klappdrachen“: Tornado für MSFS

Für Simmer, die gerne mit einem Militärjet in friedlicher Mission sehr tief und sehr schnell über die schöne virtuelle Welt des MSFS „brettern“, habe ich mir den Tornado von IndiaFoxtEcho des in der Szene seit langer Zeit bestens bekannten Dino Cattaneo angesehen.

Er wurde im April 2024 für den MSFS 2020 herausgegeben und ist seit der Version 1.0.6 mit dem MSFS 2024 kompatibel. SIMMARKET und Orbx bieten ihn für gut 36 Euro an, im Marktplatz des MSFS ist er für rund 33 Euro zu haben:

Das Download-Paket enthält acht Tornado-Varianten mit insgesamt 71 (!) Liveries. Die Außenmodelle der Varianten unterscheiden sich allerdings nur geringfügig, hauptsächlich in der Anordnung von Antennen. Laut Handbuch basiert das Add On auf der frühen Version des Tornado Interdiction/Strike (IDS), eine der acht Varianten. Die Cockpits bilden deshalb alle das frühe IDS-Layout nach, egal wie modern der Name der Version klingt, wie etwa Mid Life Upgrade (MLU). Deshalb kann ich die anderen sieben Varianten entbehren, denn außer dem Namen und ein paar Antennen ist eigentlich alles gleich. Außerdem ist mir dieser alte IDS-Tornado besonders ans Herz gewachsen, weil ich seine Einführung in die Luftwaffe ab 1983 vor Ort im Geschwader mit betreut habe: Also genau mein Flugzeug!

Stolze 253 Seiten umfasst das englische PDF-Handbuch. Die ersten 19 Seiten enthalten Modell-spezifische Informationen wie Tastatur-Zuordnungen, das In Flight-Menü und Einschränkungen der Simulation. Die dann folgenden Systembeschreibungen und Normal Procedures sind praktisch eine Kopie des Original-Handbuchs.

Sehr interessant und ein Geschenk für diejenigen, die sich in die Details des Vorbilds vertiefen möchten, aber viel zu umfangreich für den Simmer, der einen Einstieg in das Modell sucht. Viele der beschriebenen Einzelheiten kommen in der Simulation nicht vor, und ein großer Teil der Punkte in den Normal Procedures ist für den Simmer nicht relevant, zumal IndiaFoxtEcho den Tornado nicht als „Study Level“-Modell entwickelt hat. Abhilfe gibt es zum Glück im Internet: JayDee zeigt in einem deutschsprachigen Video, wie der Flieger von Cold & Dark zum Leben erweckt wird:

und er bietet dazu auch die passende Checkliste an.

Wer im Flieger einen Flugplan nutzen will, sollte unbedingt vor dem Laden des Szenarios mit dem MSFS-Flugplaner einen Flugplan laden oder erstellen und ihn beim MSFS 2024 vom Electronic Flight Bag (EFB) aus als Instrumenten-Flugplan (IFR) an die Flugsicherung senden, auch wenn nach Sicht (VFR) geflogen wird und die MSFS-Flugsicherung wie in meinem Fall nicht verwendet wird und deaktiviert ist.

Und da steht das gute Stück, von der Wartungscrew für den Flug vorbereitet und zum Einsteigen bereit. Ich habe die IDS-Variante mit der Livery des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel (das frühere Jagdbombergeschwader 33) gewählt.

Von außen macht der Flieger einen guten Eindruck. Die Proportionen sind gut getroffen, die Bemalung ist detailliert und hat einen realistischen matten Schimmer. Der Verschmutzungsgrad passt zu einem Flugzeug, das längere Zeit auf einem Auslandseinsatz war. Am unteren Seitenleitwerk hat der umgelenkte Abgasstrahl der Schubumkehr deutliche Ruß-Spuren hinterlassen. Gut gemacht!

Auch bei den Cockpits wurde ganze Arbeit geleistet. Der Gesamteindruck und die Instrumentierung des IDS-Tornado aus den 1980er Jahren sind sehr gut getroffen, ich fühle mich sofort in einen Flieger versetzt, der schon einige Flugstunden auf dem Buckel hat. Fehlt nur noch der typische Cockpit-Geruch…

Auch bei nicht modellierten Systemen, etwa beim Fly by Wire-System Command and Stability Augmentation System (CSAS) oder der Lufteinlauf-Rampenanlage, lassen sich Schalter bedienen und Tasten und Lampen leuchten auf, auch wenn die Logik nicht immer mit dem Vorbild übereinstimmt. So ist ein lebendiges Tornado-Cockpit entstanden.

Zum Festlegen der Außenlast-Konfiguration (die das Flugzeug auf Wunsch auch für den nächsten Flug speichert) und für viele andere Optionen gibt es ein In Cockpit-Menü, das mit einem Klickspot unter dem Head Up Display (HUD) aufgerufen wird. Außer Zusatztanks können auch einige wenige Bomben und Flugkörper angehängt werden, eine Funktion zum Waffeneinsatz gibt es nicht. Die Betankung lässt sich mit dem MSFS-Menü (beim MSFS 2024 über das EFB) nach Bedarf anpassen.

Wer den Tornado im MSFS-Marktplatz gekauft hat, wird möglicherweise keine Bewaffnung finden. Die Aussagen von IndiaFoxtEcho widersprechen sich allerdings in diesem Punkt: Während die Produktbeschreibungen im Marktplatz des MSFS 2020 und 2024 und ein Hinweis im Handbuch auf nicht enthaltene Waffen hinweisen, erwähnt das Change Log im Handbuch, dass die Waffen-Modelle in den Marktplatz-Kopien ab Version 1.0.6 hinzugefügt wurden. Hinter grund der Verwirung ist, dass Microsoft die strenge „keine Waffen-Regel“ für Kampflugzeuge im Marktplatz des MSFS Ende 2024/Anfang 2025 zugunsten von Waffen im MSFS 2020 und MSFS geändert hat.

IndiaFoxtEcho hat das Zwei-Mann-Konzept des Tornado nachgebildet. Über das In Cockpit-Menü werden dem Waffensystemoffizier (WSO) im hinteren Cockpit im Verlauf des Hochfahrens des Flugzeuges Aufträge zum Abarbeiten seiner Checklisten gegeben. Während ich vorne meine Piloten-Punkte abarbeite, kommen von hinten gelegentlich Infos über den Status einzelner Systeme und die Fertigmeldungen der WSO-Checklisten. So geht die Flugvorbereitung Hand in Hand, bis der Flieger „Ready to Taxi“ ist.

Der WSO unterstützt auch während des Fluges durch Ansagen über die Entfernung zum nächsten Wegpunkt und sonstige Informationen, wie Geschwindigkeiten, Rest-Treibstoff oder zu hohe oder zu niedrige Geschwindigkeit beim Landeanflug. Mir gefällt das und ich finde es realistisch und hilfreich. Wer lieber seine Ruhe haben möchte, kann die Stimme des WSO abschalten.

Der Sound erscheint mir insgesamt in Ordnung, könnte aber noch etwas Feinabstimmung vertragen. So ist beispielsweise die APU zu laut im Vergleich zum Triebwerk.

Beim Start wird der Nachbrenner eingesetzt, der beim Tornado übrigens „Reheat“ heißt und nicht „Afterburner“. Wer eine schwere Konfiguration gewählt hat, merkt beim Beschleunigen und beim Steigflug, dass der Tornado für seine Rolle nicht gerade „übermotorisiert“ ist, was von Besatzungen immer einmal wieder kritisiert wurde. Das wurde von IndiaFoxtEcho realistisch nachgebildet.

Im manuellen Flug fühlt sich der Tornado für mich plausibel an, so wie es für seine Einsatzrolle und angesichts seines Gewichts zu erwarten ist: Schnelle Reaktion auf Steuereingaben, doch nicht übermäßig agil. Bei hohen Geschwindigkeiten sollten die Flügel nach hinten geschwenkt werden, das verringert auch die Böen-Empfindlichkeit im schnellen Tiefflug. Im Modell ist die Flügelposition aerodynamisch nicht umgesetzt, das Flugzeug verhält sich immer gleich. Zumindest teilweise ist das nichtunrealistisch, denn beim Vorbild gleichen die Regelgesetze der Fly by Wire-Steuerung das Verhalten bei unterschiedlichen Flügelstellungen an.

Das Modell verfügt über eine vereinfachte Luftbetankungs-Simulation ohne Tankflugzeug. Wenn bei ausgefahrenem Betankungsausleger die Höhe und die Geschwindigkeit innerhalb vorgegebener Grenzen über einen gewissen Zeitraum ziemlich genau konstant gehalten werden, erfolgt die Betankung. Die Details des Verfahrens sind im Handbuch beschrieben.

Für den Autopiloten gibt es zusätzlich zum Panel in der Konsole auch praktische Bedientasten am Glareshield, direkt im Sichtfeld des Piloten. Der THROT-Mode hält die Geschwindigkeit über eine im Modell auch nachgebildete motorische Leistungshebel-Verstellung, eine Änderung ist am AP Control Panel möglich. Im TRACK-Mode wird die geladene Route automatisch abgeflogen, wenn der Horizontal Situation Indicator (HSI) auf NAV geschaltet ist.

Die Königsdisziplin des Tornado ist das bereits oben erwähnte Terrain Following (TF), bei dem der Autopilot in Höhen bis hinunter auf 200 ft automatisch dem Geländeprofil folgt. Das funktioniert im Modell einigermaßen, doch eine Abtastung des Geländeprofils vor dem Flugzeug, die beim Vorbild durch ein spezielles TF-Radar erfolgt, gibt die Simulation nicht her. Deshalb besser eine etwas größere Höhe wählen, und je schneller desto besser, dann werden Täler „glattgebügelt“. Mit 500 ft über dem Hunsrück hat es ganz ordentlich geklappt, doch höhere Gelände (beispielsweise der Schwarzwald) bereiten Probleme.

Es ist spannend, im HUD zu verfolgen, wie das Flugzeug dem Flight Director (FD) im Auf und Ab über dem Gelände folgt und sich dabei noch in die Kurven der eingegebenen Route legt, während unten die Landschaft vorbei schießt. Zur Sicherheit aber lieber die Hand am Stick lassen, um schnell eingreifen zu können, falls eine Erhebung im Gelände auftaucht, die die Simulation überfordert!

Für stark bergiges Gelände empfehle ich den manuellen TF-Flug mit dem FD. Ich habe einen Terrain Following-Flug aufgezeichnet und bei YouTube eingestellt:

Spaß macht zudem der Radar Height Hold-Mode (RHH) für den extremen Tiefflug über Wasser. RHH vorwählen, ganz vorsichtig sehr tief heruntergehen und dann den AP aufschalten: Sogar bei starkem und böigem Wind bin ich mit 550 Knoten in 50 ft über die rauhe Nordsee gebrettert…

Der Mach Hold-Mode wurde im Modell nicht implementiert, er ist für mich allerdings entbehrlich.

Radionavigation mit Drehfunkfeuern (VHF Omnidirectional Range – VOR) und Instrumentenlandesystemen (ILS) ist möglich, indem der Kanal der Tactical Air Navigation (militärische VOR, kurz TACAN genannt) eingestellt wird, der mit der gewünschten VOR/ILS-Frequenz korrespondiert, wie es aus dieser Tabelle ersichtlich ist.

Der HSI-Mode-Selector muss im Modell auf APPR gestellt werden, damit die Anzeigen für Richtung, Entfernung, Kursabweichung und Glideslope auf dem HSI erscheinen. Leider lässt sich der Autopilot nicht auf ein VOR-Radial aufschalten, auch der APPR-Mode des AP funktioniert (wie im Handbuch angegeben) nicht. Radionavigation muss also von Hand beziehungsweise mit dem HDG-Mode anhand der HSI-Anzeigen geflogen werden, und auch Landeanflüge sind „Handarbeit“. Das real übliche Visual Approach Pattern gemäß Handbuch lässt sich mit dem Modell gut fliegen, auch der Final Approach gelingt mit dem mit dem empfohlenen Angle of Attack (AOA) von zehn Grad ohne Probleme.

Die Spoiler und die Schubumkehrklappen können in der Luft vorgewählt werden, indem die beiden Leistungshebel über Klickspots an der Rückseite nach links ausgerückt werden (linker Throttle Spoiler, rechter Throttle Schubumkehr). Sie fahren beim Aufsetzen des Hauptfahrwerks automatisch aus.

Fazit

Ein optisch und funktionell gut gemachtes Modell mit vielen netten Details, das mir richtig Spaß macht!

Die begrenzte Systemtiefe wurde vielfach durch optische Effekte kaschiert, und kleinere Wermutstropfen wie beim Autopilot-Moding stören mich kaum. Ein faires Angebot zu einem Preis, für den andere Anbieter Kleinflugzeuge verkaufen.

Meinen Wunsch nach einem Modell, das mir sowohl beim Hochfahren als auch im Flug „Tornado-Gefühl“ und eine lebendige Erinnerung an meine berufliche Vergangenheit vermittelt, hat IndiaFoxEcho erfüllt.

Der Tornado von IndiaFoxtEcho ist deshalb meine Empfehlung für alle, die die schöne MSFS-Szenerie gerne sehr tief und schnell erkunden möchten und Spaß am manuellen Fliegen habe: Die Silbermedaille von FS Reviews vor allem wegen desn guten Preis-Leistungsverhälktnis!

FSReviewsSilberMedaille Tief und schnell mit dem „Klappdrachen“: Tornado für MSFS

Rainer Pecksen
FS Reviews

Der Ingenieur und ehemalige technische Offizier der Luftwaffe arbeitete 18 Jahre für den Tornado. Viele Jahre hat er für das FS MAGAZIN geschrieben.

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