Alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen herrschte in Teilen der Microsoft Flight Simulator Community nach der Veröffentlichung von Aerosoft’s DHC-6 Twin Otter. Vor allem zahlreiche Fehler sorgten für Ärger, aber auch mangelnde Systemtiefe wurde bemängelt.

Im Flight Simulator Forum bringt es einer der User unter dem Titel “Very Disappointed in the Aerosoft Twin Otter” (“Große Enttäuschung über die Aerosoft Twin Otter”) – aus dem Englischen übersetzt – auf den Punkt:

“Die Sounds sind schlecht, der Autopilot funktioniert nicht richtig. Grundlegende Funktionen, die Standard-Flugzeuge richtig hinbekommen, aber ein Payware-Flugzeug von einem der größten Entwickler, das £30 (Anm. € 35) kostet, kann das nicht. Wo ist die Qualitätskontrolle?

Nicht einmal eine Woche hat es gedauert, dass Aerosoft nun ein umfangreiches Update nachgelegt hat, das etliche der kritisierten Fehler behebt, aber auch einige Funktionen hinzufügt, die gefehlt haben. Das sind die wichtigsten Verbesserungen der Version 1.0.1:

  • Hinzugefügt: GPWS Inhibit Schalter
  • Hinzugefügt: Positionslichter an den Flügelspitzen
  • Behoben: Überarbeitung und Lautstärkeanpassung der externen Sounds
  • Behoben: Überarbeitung und Lautstärkeanpassung der internen Sounds
  • Behoben: Autopilot verliert Höhe im ALT HOLD Modus
  • Behoben: Autopilot verliert Höhe im GS HOLD Modus
  • Behoben: Außenansicht Motorinstrumente
  • Behoben: Fehlende Leistungsdaten im Flugzeugauswahlfenster
  • Behoben: Abgeschwächtes Windgeräusch an der Hecktür, wenn sich das Flugzeug nicht bewegt und der Wind keine Sturmstärke hat
  • Behoben: Volt-Anzeige zeigt jetzt 0V an, wenn die Generatoren ausgeschaltet sind
  • Behoben: CDI-Nadeln sprangen beim Fliegen eines FROM-Radialflugs von einer Seite zur anderen
  • Behoben: Fehlender Nadelpfeil im Copiloten-HSI
  • Behoben: NAV/HDG-Flaggen über Kursfehler und Nadel in beiden HSIs
  • Behoben: Getrennte GNS530/430, Autopilot, Transponder und ADF vom Copilot-Dimmer
  • Behoben: De-Icing funktioniert jetzt für beide Propeller
  • Behoben: Anti-Ice funktioniert jetzt für beide Motoren
  • Behoben: Erhöhte Lautstärke der GPWS-Gleitwinkel-Ansagen
  • Behoben: HSI-Knopf dreht sich nicht
  • Behoben: Lücken in der Decke nahe der vorderen Kabinenwand

Kommentar:

Dass Aerosoft bereits nach weniger als einer Woche ein umfangreiches Update herausbringt, das zahlreiche Fehler behebt und Funktionen hinzufügt, könnte man an sich als positiv bewerten. Die Betonung liegt auf “könnte”, denn es bleibt ein fahler Beigeschmack. Es ist kaum anzunehmen, dass den Entwicklern und damit Aerosoft viele dieser Bugs bzw. fehlenden Funktionen vor der Veröffentlichung der Twin Otter für den Microsoft Flight Simulator nicht aufgefallen sind. Und dennoch wurde das Flugzeug zum Kauf freigegeben. Wenn die Fehler nicht bekannt waren, dann hätte Aerosoft allerdings ein ernsthaftes Problem mit seiner Qualitätssicherung.

Leider ist es heute offenbar grundsätzlich so, dass unfertige Softwareprodukte auf den Markt geworfen werden, die vieles sind, aber eines nicht: Fehlerfrei. Das mag zwar am immer komplexer werdenden Umfang liegen, ist aber dennoch für manche zahlenden Kunden unakzeptabel, wie dieser Fall mit zum Teil erbosten, verärgerten und enttäuschten Reaktionen in den Foren und auf Social Media zeigt. Hier sind Hersteller gefordert, vor Veröffentlichung mehr Sorgfalt walten zu lassen, um nicht das Vertrauen bei jenen zu verspielen, die dafür sorgen, dass ordentlich Geld in die Kassen gespült wird.

Der Vorwurf, dass die Twin Otter nicht über entsprechende Systemtiefe verfügt, geht bei all dem allerdings ins Leere. Eine solche hat Aerosoft nämlich nie versprochen. Und selbst die Twin Otter Extended für den P3D, die etwa Triebwerkdefekte bei Überdrehen und Überhitzung simulierte, was die MSFS-Version nicht “zustandebringt”, verfügte ansonsten ebenfalls nicht über sonderlich tiefgehende Systemmodellierung. Wie auch immer. Die Twotter ist für viele, die sie jetzt im Microsoft Flight Simulator fliegen, trotzdem ein Flugzeug, an dem sie offenbar Spass haben. So gesehen hat Aerosoft zwar keine Bruchlandung hingelegt, aber eine Punktlandung war es ehrlicherweise auch nicht.

(Manfred Hafner)