Microsoft wirft ersten „Schrott-Entwickler“ raus!
Ein Kommentar von Manfred Hafner.
Mit dem sofortigen Ausschluss des Drittentwicklers Mscenery aus dem offiziellen Marketplace hat Microsoft auf die anhaltende Kritik aus der Flugsimulation-Community reagiert. Der Rauswurf aller Produkte für die MSFS-Versionen 2020 und 2024 wird von vielen Nutzern begrüßt. Nach jahrelanger Kritik zog der Konzern die Reißleine. Im offiziellen Statement werden drei Gründe genannt:
Nachdem wir zahlreiche Beschwerden erhalten haben, die sich auf 1) die geringe Qualität der Mscenery-Inhalte, 2) fehlende Informationen in den Produktbeschreibungen und irreführende Bilder sowie 3) die Glaubwürdigkeit der hohen Nutzerbewertungen bezogen, haben wir beschlossen, den Verkauf von Mscenery-Inhalten im Marketplace mit sofortiger Wirkung einzustellen.

Während dieser Schritt als Erfolg für die Community gefeiert wird, die seit Monaten lautstark gegen die Flut an „Schrott-Inhalten“ protestiert hatte, legt der Vorfall ein viel tiefer liegendes, strukturelles Problem offen. Microsofts Marketplace, sowohl der für den MSFS 2020 als auch für den 24er leidet unter akuter Intransparenz – und die Leidtragenden sind die zahlenden Kunden.
Das Versteckspiel mit den Entwicklernamen
Der Rauswurf von Mscenery bekämpft lediglich ein Symptom, nicht die Ursache. Nach wie vor herrscht auf dem Marktplatz Intransparenz darüber, wer eigentlich hinter bestimmten Entwicklernamen steht. Und nach wie vor werden „Schrott-Add-Ons“ angeboten. Es gibt für Kunden keine einfache Möglichkeit zu prüfen, ob ein vermeintlich neuer Anbieter in Wahrheit nur die neue Hülle eines bereits gesperrten Akteurs ist.
Im Regen stehen gelassen: Kein Support, kein Rückgaberecht…
Wer im MSFS-Marketplace auf minderwertige Add-Ons oder gar bewusste Täuschung hereinfällt, merkt schnell, dass er in einer Sackgasse steckt.
- Kein Herstellersupport: Die Entwickler solcher minderwertigen Add-ons bieten oft keinerlei Kundenservice oder funktionierende Kontaktmöglichkeiten.
- Kein Microsoft-Support: Microsoft verweist bei Problemen mit Drittanbieter-Inhalten meist auf die jeweiligen Ersteller und zieht sich aus der Verantwortung.
- Kein Rücktrittsrecht: Das größte Ärgernis ist das Fehlen eines fairen Rückgaberechts. Einmal auf „Kaufen“ geklickt, ist das Geld weg – ganz egal, ob und wie das Add-On funktioniert oder auch nicht.
Ein Blick über den Tellerrand: Wie Steam es besser macht
Dass es auch anders geht, zeigt die Gaming-Plattform Steam von Valve. Wer dort ein Game kauft, hat das Recht auf eine unkomplizierte Rückerstattung. Solange das Produkt weniger als zwei Wochen im Besitz ist und maximal zwei Stunden gespielt wurde, reicht ein Klick, um das Geld zurückzuerhalten – ohne Angabe von Gründen. Bei Add-On Käufen gilt ein Rückgaberecht von 48 Stunden.
Dieses System schützt Käufer effektiv vor Fehlkäufen, Betrug und irreführender Werbung. Gleichzeitig zwingt es Entwickler dazu, von Tag eins an eine Mindestqualität zu liefern, da schlechte Produkte durch Rückgaben sofort finanziell abgestraft werden.
Wer allerdings den MSFS 2020 oder 2024 über Steam erworben hat und dort im integrierten Marketplace einkauft, schaut in die Röhre. Da diese In-Sim-Käufe über Microsoft abgewickelt werden, greift der Steam-Käuferschutz hier leider nicht.
Der Kunde als „finale Qualitätskontrolle“
Ein faires Rückgaberecht würde zudem ein weiteres Kernproblem des Marktplatzes elegant lösen: die seit Jahren von der Community geforderte Qualitätskontrolle. Der Kunde sollte selber darüber entscheiden, ob das gekaufte Add-On seinen persönlichen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Wenn nicht, dann Refundierung des Kaufpreises!
Fazit: Microsoft müsste kundenfreundlicher werden
Der Ausschluss von Mscenery zeigt, dass Microsoft – spät, aber doch – auf das Feedback der Simmer hört. Aber ein sauberer Marktplatz erfordert mehr als das nachträgliche Löschen einzelner Konten. Microsoft wäre gefordert, den Marketplace fit für die Zukunft zu machen: mit echtem Verbraucherschutz, klaren Identitäten und einem fairen Rückgaberecht nach dem Vorbild moderner Stores. Zugegeben: In der Flusi-Welt ein frommer Wunsch…
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