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Tolles „langes Elend°“: Aerosoft/ToLiss A340-600 Pro

FS-Reviews-01 Tolles „langes Elend°“: Aerosoft/ToLiss A340-600 Pro

ToLiss ist in der X-Plane-Szene ein, nein, der etablierte Entwickler für Airbus-Add Ons für den X-Plane. Umso erfreulicher war die Nachricht, dass sich Aerosoft und ToLiss gemeinsam ein Projekt vorgenommen haben: Die A340-600 Pro in den MSFS 2020 und MSFS 2024 bringen. Im März 2026 wurde die Maschine veröffentlicht – Ingo Voigt hat sie sich angesehen.

Eine Rezension über einen A340 „schreit“ geradezu nach A340-Witzen. Leider passen diese alle nicht exakt zur A340-600 oder kurz A346. Weder die Vermutung, dass sie nur aufgrund der Erdkrümmung abhebe, noch dass die A340 der einzige Flieger mit Vogelschlag-Gefahr von hinten wäre, geschweige denn, dass der A340-600 ein Flieger mit fünf APUs wäre. Ein Lotse in Frankfurt soll die Crew einer im Abflug sehr langsam steigenden A340 gebeten haben: „Callsign – bitte schalten Sie auch die anderen zwei Triebwerke ein…“

Leider habe ich die A346 im realen Betrieb nur zwei Mal erleben dürfen – von Frankfurt nach Vancouver hin und wieder zurück. Mit dem Full-Flight-Simulator bei Lufthansa Aviation Training (LAT) bin ich allerdings die eine oder andere Platzrunde geflogen. Von daher habe ich mich auf den Release sehr gefreut – besonders, da ich die ToLiss A346 für den X-Plane bereits gut kenne und daher eine gewisse Erwartung an die Umsetzung habe.

Historie der A340-600

Die A340‑600 entstand als Teil der „Next Generation“-Weiterentwicklungen der ursprünglichen A340‑200/-300‑Reihe. Airbus wollte ein Flugzeug anbieten, das die Kapazitätslücke zwischen der Boeing 747 und kleineren Langstreckenjets schließt – mit hoher Reichweite, großem Rumpfvolumen und vier Triebwerken für weltweite Strecken ohne (!) Beschränkungen durch Extended-Range Twin-Engines Operations (ETOPS).

Anmerkung

Da sich ETOPS-Szenarien meistens über Wasser oder ausgedehnten Wüsten ereignet, wurde das Verfahren launig und augenzwinkernd zu „Engines
turning or Passengers swimming“ und für Frachter „Engines turning or Parcels sinking“ umgedeutet…

Die A340-600 hat ihren Ursprung in der A340‑300, erhielt jedoch einen um 11,7 Meter (!) verlängerten Rumpf und vergrößerte Tragflächen, um mehr Passagiere und Treibstoff aufnehmen zu können. Zusätzlich wurde sie mit den neu entwickelten und leistungsstarken Rolls‑Royce Trent 556‑Turbofans ausgestattet, die den Schubbedarf des stark verlängerten Flugzeugs decken sollten. Der Erstflug fand am 23. April 2001 statt, die Auslieferungen begannen 2002.

Bis zur Einführung der Boeing 747‑8i mit 76,30 Metern war die A340‑600 mit 75,30 Metern das längste Passagierflugzeug der Welt.

Das Aufkommen effizienterer Zweistrahler wie der Boeing 777 und später des Airbus A350 sorgten für eine einbrechende Nachfrage, so dass die Produktion der gesamten A340‑Familie 2011 endete. Die A340‑600 wurde vor allem von Lufthansa, Virgin Atlantic, Iberia und South African Airways betrieben. Sie war für sehr lange Strecken mit hoher Passagierzahl ausgelegt und bot dank ihres langen Rumpfes viel Platz für Premium‑Kabinenkonzepte.

Kauf, Installation und Handbücher

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Während für eine reale A346 seinerzeit zwischen 120 und 160 Millionen US-Dollar fällig wurden, reichen bei der Aerosoft/Toliss‘ A346 bereits knapp 80 Euro aus – für MSFS 2020 und MSFS 2024 gemeinsam. Zu finden ist das „lange Elend°“ hier:

Die unkomplizierte Installation erfolgt über Aerosoft One.

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Handbuch und Tutorials

Über Aerosoft One kann zudem das Handbuch aufgerufen werden. Das knapp 90-seitige Dokument ist nicht mehr als eine ganz grobe Einführung, die vor allem das Setup des Flugsimulators, Flugzeugs und die Benutzung des Electronic Flight Bags (EFB) erklärt. Zum Beispiel, wo und wie man seine Hoppie- oder Sayintentions-ID eingeben kann.

Für weiterführende Informationen zur Nutzung des Airbus hat Aerosoft eine zehnteilige Video-Serie aufgesetzt. Die ersten zwei Teile wurden inzwischen veröffentlicht: Teil 1 beschreibt eine Landung in Hong Kong…

… und Teil 2 beschreibt einen RNP-Approach mit Ausfall der Wechselstrom-Busse 1 und 2 (AC1-2-Fault)

Für weitere Videos empfiehlt es sich, den gelegntlich auf dem Discord-Kanal von Aerosoft vorbei zu schauen oder bei YouTube den Suchbegriff „Aerosoft A340-600 Pro“ einzugeben.

Die Modellierung der A340 gefällt mir für das Außenmodell, als auch virtuelles Cockpit (VC) und der Kabine sehr gut. Die Größe der Maschine kommt gut herüber. Wer den Flieger von vorne nach hinten durchlaufen ist, weiß, dass die „Kiste“ quasi nicht enden will.

Einzig die Texturen sind nicht ganz optimal. Von weitem sieht die A346 hervorragend aus, doch wer sehr (!) nah heranzoomt, dem erscheinen einzelne Texturen etwas verwaschen. Die Entwickler ließen FS Reviews dazu auf Anfrage wissen, dass schärfere Texturen bei einem derart langen Flieger den Verbrauch an Grafikspeicher enorm erhöht und dass deshalb ein Kompromiss gefunden werden musste. Es gibt Simmer, die das anders sehen, denn die Texturen wurden schon bei den Previews kritisiert.

Das virtuelle Cockpit gefällt sehr gut – hier kommen virtuelle Piloten zu jeder Tages- und Nachtzeit mit den Anzeigen und der Benutzung gut zurecht.

Avionik, Autopilot und Co…

Kommen wir zum Herzstück des Add Ons – die Simulation der Systeme, das Flight Management System (FMS), den Autopiloten sowie die „Abnormals“.

Wo fängt man an und wo hört man auf? Die A340 wurde überaus umfassend simuliert. Normaler Betriebsalltag ist für die Maschine von Aerosoft und Toliss kein Problem. Die A340 macht, was sie soll und funktioniert sehr zuverlässig.

Eine Einschränkung wäre die Taxi-Kamera, die bei meinem MSFS 2024, mit dem der Test durchführt wurde, nicht gescheit funktioniert.

Laut ToLiss ist das ein Problem des Simulator Update 5 und wird in einem kommenden Update gefixt. Wie diese sich beim jeweiligen Nutzer auswirkt, scheint individuell unterschiedlich zu sein: Bei mir sind Rollwege nicht sehen, während der Flieger und der Fahrwerk „da“ sind.

Das FMS funktioniert im Zusammenspiel mit dem Autopiloten wunderbar. Nach anfänglichen Problemen kann ich inzwischen problemlos Flugpläne aus SimBrief importieren oder eben alles manuell eingeben. Die Aktualisierung der Navigations-Daten erfolgt per EFB und dann das FMS etwas umständlich, was allerdings näher an realen Prozedur ist. Lediglich bei Wegpunkten, die per Längen- und Breitengrad eingegeben wurden, hatte ich ein Problem mit Minuten-Angaben.

Abnormals sind kein Problem – ich habe zwei Varianten probiert: Zuerst habe ich auf einem Flug die Maschine mit normal funktionierenden Systemen an den Stall herangeflogen. Wie zu erwarten, greift vorher die „Alpha Floor Protection“ und bringt den Flieger in eine stabile Fluglage zurück.

Um einen Wechsel von „Normal“ ins „Alternate Law“ zu provozieren, habe ich die über das EFB einen Ausfall der Primary Flight Computer 1 und 2 (PRIM 1 & 2 Fault) als Fehler aktiviert. Von den drei vorhandenen Flight Control Computern habe ich also zwei ausfallen lassen – sofort gibt es keine „Alpha Floor Protection“ mehr und die Piloten könnten die Maschine in einen Stall fliegen. Siehe den Absturz des Air France Fluges 447 mit einer A330 am 1. Juni 2009.

Leider haben Aerosoft und ToLiss die Anregung aus der A330-900-Rezension für X-Plane nicht aufgegriffen: Die Reifen des A340 können durch Überhitzen durchaus zum Platzen gebracht werden. Sobald alle Reifen eines Fahrwerks geplatzt sind, wird das im Modell angezeigt.

Die überhitzten Bremsen werden bisher nicht farblich passend dargestellt, wie das etwa PMDG im MSFS oder Flight Factor für X-plane bei ihren Triple Sevens macht, wenn auch die Temperatur-Anstiege entsprechend in den Cockpit-Anzeigen zu sehen sind. ToLiss überlegt,die korrekte Optik nachzureichen.

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Flugdynamiken

Die Flugdynamiken überzeugen: Das subjektive Verhalten als auch die Leistungsdaten. Die Leistungsberechnungen des EFB passen wunderbar zum Flugverhalten und die SimBrief-Daten haben „gegriffen“. Selbst auf der Ultra-Langstrecke von Hong Kong nach San Francisco kamen die Werte gut hin.

Faszinierend ist, dass die Simulation sehr stabil lief. Zur Zeitbeschleunigung auf der Langstrecke bieten sich zwei Ansätze an – zum einen kommt der A346 mit der MSFS-internen Zeitbeschleunigung zurecht. Zum anderen bietet ToLiss die Möglichkeit, an einen beliebigen Punkt im Flugplan zu springen. Beides hat gut funktioniert. Beim Sprung zu einem Wegpunkt sollte dem MSFS ein paar Momente gegeben werden, um sich zu „fangen”, nachdem der Sprung vollzogen ist.

Sound

Der Sound konnte (beinahe) komplett überzeugt. Es gibt lediglich einen kleinen Aspekt, der stört – wenn man die Trents aus niedrigen Drehzahlen hochfährt wie aus dem Leerlauf, gibt es ein sehr charakteristisches Heulen. Bei Flügen, in denen sich der Schub viel in diesem Bereich zwischen Leerlauf und gut 35 Prozent N1 bewegt wie beispielsweise einem turbulenten Anflug, wird bei gefühlt jeder Drehzahl-Änderung um wenige Nachkommastellen dieses Heulen eingespielt. Das ist unrealistisch. Davon abgesehen finde ich das Soundpaket als sehr stimmig gelungen.

SimBrief- und GSX Pro-Profile

Ein User hat Profile für die A346 mit „Standard Gross Weight“ (bis 368 Tonnen maximales Abfluggewicht) und „High Gross Weight“ (bis 380 Tonnen) an SimBrief geliefert. Sie basieren auf dem A346-Standard-Profil von SimBrief und können im Flugzeug-Menü ausgewählt werden.

Von „Schallwerker“ gibt es ein Freeware-Profil für GSX Pro bei flighstim.to.

Fazit

Meines Erachtens ist das gemeinsame Erstlings-Werk von Aerosoft und ToLiss rundum gelungen. Einige Aspekte lassen sich weiter ausbauen oder verbessern und noch mehr Gimmicks in den Flug einbauen, doch im Großen und Ganzen bekommen Käufer für ihr Geld einen sehr guten Flieger.

5-scaled Tolles „langes Elend°“: Aerosoft/ToLiss A340-600 Pro

Fans des „langen Elends°“ A340-600 können bedenkenlos zugreifen, sofern sie das nicht schon getan haben. Ebenso Fans von Langstrecken-Flügen, die einen passenden Airbus suchen. Wer nicht gewillt ist, sich in einen komplexen Flieger einzuarbeiten, oder wer für wenig Geld viel „Eyecandy“ sucht, ist dieser Flieger nicht die erste Wahl…

Um die A340-Ära nachzuempfinden und Flüge von Lufthansa, Virgin oder Etihad nachzufliegen, ist die Maschine von Aerosoft und ToLiss ein herausragendes Erstlingswerk…

Ich freue mich auf mehr: Die Goldmedaille von FS Reviews für die A340-600 Pro!

FSReviewsGoldmedaille Tolles „langes Elend°“: Aerosoft/ToLiss A340-600 Pro

Ingo Voigt
redaktion@fsreviews.de

Der Maschinenbau-Ingenieur, der seit langer Zeit in der Aviatik arbeitet, hat viele Jahre für das FS MAGAZIN geschrieben und ist jetzt beim Nachfolger FS Reviews aktiv.

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° „Langes Elend“ ist eine umgangssprachliche und oft scherzhafte Redewendung für eine sehr große, schlaksige oder hochgewachsene Person.

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